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Mit dem diesjährigen KGR-Motto „Die 50er Jahre“ starteten pünktlich um 19.00 Uhr die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß „Die Stecher” Rülzheim am vergangenen Samstag im Rülzheimer Freizeithaus „Dampfnudel“ in eine ca. 5 ½-stündige, temperamentvolle Premierensitzung.

Die Premiersitzung der KGR begann diesmal vollkommen anders. Nachdem der kleine Henry verzweifelt seine Trommel schlug, begannen „Die Stecher-Krabben“ mit dem närrischen Lied „Denn wenn das Trömmelche klingt, stehn wir all parat“. Tatsächlich waren alle Narren in Rülzheim parat als es losging. Nach dem Einmarsch konnte das charmante Prinzenpaar Manuela I. und Bernd II. seine Untertanen begrüßen. Das diesjährige KGR-Motto „Die 50er Jahre“ wurde von ihnen gekonnt angesprochen und auch die Vor- und Nachteile richtig beachtet. In der Mitte des Elferrats nahm diesmal der 1. Vorsitzende Edi Harder platz, nachdem Sitzungspräsident Kurt Kupper aus gesundheitlichen Gründen leider in dieser Kampagne nicht zur Verfügung steht. In seiner Begrüßung ging Harder gleich auf die Situation der Narren ein, die zwar Fasenacht feiern wollen, aber auch der Opfer in Südasien gedenken und für diese auch sammeln würden.

Stecherle Garde Den närrischen Auftakt im Showprogramm machten die „Stecherle“. Mit einem schmissigen Tanz zu flotten Klängen, zeigten die kleinen Gardistinnen, was ihnen ihre Trainerin Nicole Moos in mühevoller Arbeit beigebracht hatte. Die erste Rakete hatte sich die Gruppe verdient.

Die erste Bütt war den Schwestern Josephine und Ricarda Harder vorbehalten. Die kleine erzählte von ihren Erlebnissen mit ihrer Nachhilfelehrerin. Leider kam es bei dem Getratsche überhaupt nicht zum eigentlichen Lernen. Die beiden waren aber so „cool“, dass ihre Gags und Witze um die Pisa-Studie richtig gut ankamen. Applaus, Tusch und eine kleine Welle für die Mädels.

Wie ein Heer von lustigen Strandgängern überfielen die Kleinkinder der Stecher die Bühne. Die kleinsten der Karnevalsgesellschaft Rot – Weiß gewannen die Herzen der Zuschauer im Sturm. Der Schautanz der Minis und Bambini zeigte, dass Tanzen für Kinder ein absolutes Vergnügen sein kann. Von Christina Kern und Ursula Wolff einstudiert zeigten die Pimpfe so alles was am strand der 50er Jahre so angesagt war. Der Höhepunkt war die Interpretation des Songs „Mambo Number five“ Für das viele Geschick und die lustige Darbietung gab es unentwegt Szenenapplaus wobei Lachmuskelzerrungen das Ergebnis waren. Zum Star avancierte, eher unfreiwillig, die aller kleinsten Tänzer, die eher als Freie Mitarbeiter, anzusehen waren. Bravo, Tusch und noch eine Rakete.

Der Musikzug „Rote Husaren” der Freiwilligen Feuerwehr Rülzheim zeigte wieder einmal, dass sie mit ihrem Dirigenten Henric Franck, eine absolute Größe im Programm sind. Mehr als immer nur einen Tusch bringen sie sowie so. Bei den Schunkelrunden, der Musikshow oder wenn es darum geht eine Darbietung zu unterstützen waren die Damen und Herren der Feuerwehr eine starke Nummer.

Michael Haag präsentierte sich als Freizeitberater. Dass seine Kunden mit seinen Tipps auch zufrieden sind, wusste er gekonnt zu belegen. Der junge Mann gilt als klassischer Vertreter des Mainzer Vortragstils, das aber sehr gekonnt. Die „Juniorengarde“ zeigte bei ihrem Gardetanz einmal mehr, wie sich die Arbeit mit Nicole Moos auf der Bühne darstellt. Ein flotter Marsch, bei dem fast alles perfekt getanzt wurde. Wunderbar anzusehen, wie die Jugendarbeit der Narren fruchtet.

Politisches hatte Ex-Prinz Columbus alias Thomas Ehses zu berichten. Er nahm alles aufs Korn, was sich zwischen Washington undThomas Ehses Rülzheim abspielte. Dabei bekam natürlich auch Bürgermeister Schwindhammer und sein Gegenpart Hör, einiges zu hören. Witzig im Vortrag und trotzdem oder deshalb mit politischem Zündstoff. Wenig gutes kam über die Bundesregierung rüber, die uns wohl doch stark „ausnimmt“.

Die „Stecherle“ hatten ihren 2. Auftritt mit einem Schautanz. Dabei wurde das Motto der Kampagne „die 50er Jahre leben wieder auf“ von Andrea Eckel voll umgesetzt. Wie überhaupt alle Gruppen sehr ideenreich immer wieder das Thema der Kampagne zeigten. Mit diesem getanzten Kampf, zwischen Elvis Presley und Peter Krauss, konnte musikalisch gezeigt werden, was die damalige Musik alles bewirkte.

Wie der Kampf zwischen den Geschlechtern ausgetragen wird zeigten die beiden Kampfhähne Bernd Haag und Mechthilde Fischer. Alte Themen immer wieder aktuell dargestellt und resolut vorgetragen. 2 Profis in der Bütt, die beiden Büttenasse verstanden es wunderbar, den Geschlechterstreit versöhnlich enden zu lassen. „Trinke ma zusamme ä Fläschel Wein“, klang zumindest friedlich.

Die Geschichte des Don Camillo und seines Widersachers Pepone, gründete ebenfalls in den 50er Jahren. In etlichen Filmen begeisterten die beiden ihr Publikum. Wie es kommt, wenn die beiden Mal die Rollen vertauschen, stellten die glorreichen Sieben dar. Die Gruppe verstand es wieder einmal Historisches mit Neuzeitlichem perfekt zu verquirlen. Die First Lady wurde von Sigrid Götz hervorragend inszeniert, ihr verwandlungsfähiger Gatte Marco Wolf, stellte den Pepone dar. Den Pfarrer konnte Claus Kupper gekonnt intonieren. Was ein etwas heißer Kirchenschweitzer alles tun kann zeigte Simon Leingang. Unschlagbar die beiden Ratschweiber Sonja Stein und Thorsten Greiner. Als Rosenverkäufer agierte Mathias Leingang. Am Keyboard stand wieder Herbert Brugger, der das Prädikat „extrem golden Cool“ für sich in Anspruch nehmen konnte. Eine Formation die aus der Rülzheimer Fasnacht nicht mehr wegzudenken ist, weniger wegen der berauschenden Gesangssoli als vielmehr wegen des karnevalistischen Anspruchs, der zwar immer etwas derb ist, aber auch mit reißend. Die Zugabe mit Viva Colonia war die Forderung des begeisterten Publikums. Mit einer Laola-Welle wurden die Akteure verabschiedet.

JuniorengardeVor der Pause konnten die Mädels und Jungs der „Juniorengarde“ noch einmal begeistern. Tänzerisch wurde demonstriert, was es damals so an interessanten Dingen gab. Die Zeitschrift „Bravo“ wurde erstmals gedruckt, der Lippenstift kam in Mode, Petticoat wurde getragen und schließlich erlebte die Isetta ihren Siegeszug. 36 Akteure zeigten einen schönen Schautanz, der wieder von Andrea Eckel einstudiert wurde.

Mit dem Einzug einiger Gäste, wurde die zweite Hälfte eröffnet. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine Norbert Weber machte den Stechern seine Aufwartung. Der ehemalige 2. Vorsitzende der KGR hatte nicht nur Grüße des Verbands dabei, sondern auch einige Erinnerungen, an seine aktive Zeit geweckt. Natürlich zeichnete er einige Aktiven mit dem Verbandsorden aus. Die Vereine aus Herxheim und Berg zeigten, dass sie sich bei den Rülzheimer Freunden wohl fühlen, und wie dies so üblich ist, neckt sich, was sich liebt.

Die „Stechergarde“ war das erste Highlight der zweiten Halbzeit. Die Klänge von Abba waren auf Marsch getrimmt mit der Umsetzung des Medleys zeigten die jungen Damen, dass Gardetanz ein anspruchsvoller Sport sein kann. Klasse Tusch und Rakete.

Silke MendelAls “Zenzi von der Alm“ wusste Silke Mendel zu überzeugen. Mit ihrem „Herr Kuh“ stellte sie allerhand Dummheiten an. Selten kann eine so intelligente, hübsche, junge Frau sich selbst als so doofe Nuß verkaufen, wie dies Silke Mendel gelingt. Aber da bewahrheitet sich wieder einmal, nur wer gescheit ist kann überzeugend blöd spielen.

Das „Männerballett“ setzte die Cuba-Krise der 50er tänzerisch um. Veera Dastan und Simon Leingang hatten ihre Männer wieder einmal mit heißen Rhythmen zu Kämpfern gemacht. Klar dass bei diesem Schauspiel wieder am Ende ein versöhnlicher Tanz war. Mit „Chocolada“ tanzten sich die Herren in die Herzen der weiblichen Fans. Übrigens präsentierte Dieter Kupper, der flugs zum Ersatz-Sitzungspräsident avancierte, die Beiträge mehr als gekonnt. Bis die 2. Vorsitzende und neues Ehrenmitglied der KGR Ursula Wolff seinen Auftritt schroff beendete. Sehr uncharmant riss sie das Mikro an sich. Nur sie durfte nach der Musikschau der Roten Husaren die „Stecher-Krabben“ ansagen. Die Gruppe, die seit 11 Jahren besteht, konnte wieder einmal flotte Songs anbieten. Lustig und witzig waren sie allemal. Die Paare Leingang und Tüllmann bilden den alten Stamm der Formation. Dazu gesellten sich Sigrid Götz, Bernhard Betsch und Edi Harder. Als musikalischer Leiter war erstmals Jochen Geeck am Keyboard.

Wunderschön war auch der Tanz des Rülzheimer Frauenballetts. Gemäß dem Motto der KGR tanzten die Damen um Andrea Eckel, eine ganze Geschichte um den italienischen Gastarbeiter. Die Situation der ersten Eisverkäufer und Pizzeriabesitzer wurde gekonnt nachgestellt. Eine absolut gelungene Sache, die zwar melancholisch begann, dann aber im lauf der Darbietung nicht nur fröhlich sondern sogar zu einer „Fiesta italiano“ sich entwickelte. Klasse, Rakete und tusch.

Einen sonderbaren Beitrag zeigte Jochen Geeck. Als Musikprofessor angekündigt, waren seine Klänge eher wenig musikalisch. Er referierte über ein allzu menschliches Bedürfnis der Entlüftung. Die Art der Klänge spezifizierte er in strenge Kategorien. Dabei war es im gelungen, den interessierten Zuschauern, zu so später Stunde ein akademische Dissertation zu präsentieren, die in Atem hielt. Er bedauerte zwar, dass er nicht in der Lage sei alle Sinne gleichermaßen anzusprechen, da aber waren die begeisterten Zuhörer eigentlich sehr froh darum, denn ihr Geruchsinn wäre bestimmt äußerst strapaziert gewesen. Nun final kann man feststellen, diese Rede war kein Furz.

Der Holzmichel darf wohl in diesem Jahr auf keiner Prunksitzung fehlen, deshalb präsentierten die „Roten Husaren“, dass er noch lebt. Tolle Show und wieder einmal mit dem Top-Sänger Hubert Kupper.

Die letzte Bütt war Günter Dudenhöffer vorbehalten. Er stellte sich als Fußballprofi vor. Der geniale Büttenredner, der alles immer frei vorträgt wagte wieder einmal einen Großangriff auf die Lachmuskeln. Seine Erlebnisse bei seinem Job als Fußballer waren gewohnt trocken vorgetragen. Er ist ein Bütten-Ass der Rülzheimer Narren. Auch bei ihm ist es weniger der Inhalt, sondern die Attraktion liegt in der Art wie er seine Rede zelebriert. Er wechselt die Stimmlage, er betont geschickt und bewusst irreführend er kann mit dem Publikum spielen und hat es in Rülzheim schon zu einigen Zugaben gebracht. Kein Wunder also, dass er nach über 20 Jahren in der Rülzheimer Bütt nicht mehr weg zu denken ist.

Der „Stechergarde“ war es einmal mehr vorbehalten das Finale zu gestalten. Grundlage der 15 Minuten Show war das Musical Grease, das sich mit Melodien der 50er gestaltet. Mit Petticoat und Lederjacken wurde das Lebensgefühl von einst, neu aufleben gelassen. Mit Non Stopp Dance konnten die Jungens und Mädels um Nicole noch mal so richtig Stoff geben. Ein echter Höhepunkt zum Schluss einer begeisternden Sitzung. Als das Sahnehäubchen des Abends wurden sie von Edi Harder bezeichnet.
Zum Finale lockte die „Stechergarde“ noch mal die Akteure auf die Bühne ein toller Sitzungsabend ging so zu Ende.

Ein besonderer Dank geht an den Wirtschaftsdienst, den Bühnen-, Schmink-, Kostüm- und Dekorationstrupp der KGR, den KGR-Technikern von Licht und Ton, die Alles gekonnt ins rechte Licht rückten und für optimalen Sound sorgten