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Mit einer gelungenen Premiere eröffnete die Karnevalsgesellschaft Rot Weiß "Die Stecher" am Samstagabend den Reigen ihrer Prunksitzungen. Die "Dampfnudel" präsentierte sich fasnachtlich geschmückt, das Bühnenbild entsprach dem Motto der Kampagne "Varieté, Cabaret und Musicals".

In bester Stimmung führte Sitzungspräsident Kurt Kupper durch die sechsstündige Veranstaltung, deren Schwerpunkt eindeutig bei Musik und Tanz lag: Elf Tanzdarbietungen und zwei je 30 minütige Vorträge von Gesangsgruppen standen sechs Büttenbeiträge gegenüber. Das Publikum ließ sich gern zum Schunkeln und Singen animieren und sorgte auch während der einzelnen Programmpunkte für ausgelassene Stimmung. Ein viel versprechender Auftakt.

Mit Kennerblick verfolgten die Elferräte und Prinzenpaare der Karnevalsvereine aus Bellheim, Berg und Herxheim das Geschehen. Am Ende mischten sie sich gar unter die Elferräte auf der Bühne. Auch Abordnungen der Narren aus Wörth und Speyer sowie aus dem Badischen wurden begrüßt. Als Clown auf großem Fuß - in überdimensionierten Schuhen - sorgte Bürgermeister Karl Schwindhammer für Lacher. Erster Beigeordneter Richard Dörzapf war ganz Gentleman, im Johannes-Heesters-Look. Die Reihe der Ehrengäste vervollständigen zweiter Beigeordneter Hubert Dudenhöffer, Ehrensenator und Kulturkreisvorsitzender Karl Geeck, sein Stellvertreter Peter Kupper sowie dritter Kreisbeigeordneter Dr. Fritz Brechtel und Hördts Bürgermeister Gerd Rheude.

Gefallen fand das Publikum an der Rülzheimer Rakete, es ließ sie immer wieder lautstark "steigen". Das Prinzenpaar Axel I. und Doris II. eröffnete die Sitzung. Zu Beginn tummelten, sich unzählige Clowns auf der Bühne. Die Minis und die Bambini-Garde unter Leitung von Ursula Wolff ernteten für ihren Tanz gleich die erste offizielle Rakete. BambinigardeDie undankbare Aufgabe des ersten Büttenbeitrags hatten die Nachwuchskarnevalisten Josephine Harder und Mathias Leingang, die sich als Schulkinder über ihre Geschwister ausließen. Ihre Aussagen waren verständlich und deftig. Das preisgekrönte Tanzpaar Volker Zutavern und Claudia Wiedemann präsentierte sich temperamentvoll, bevor es ihnen die Jugendgarde (Trainerin Silvia Schulte) als Revuegirls gleichtat. "130 Kinder haben wir heute auf der Bühne", streute Kurt Kupper zwischendurch ein, der auch Grundschulleiter Horst Grentzer für Unterstützung dankte. Tatsächlich ist der Nachwuchs der "Stecher" bemerkenswert. Engagiert und konzentriert waren die Mädchen und eine Handvoll Jungs bei der Sache. Auch Tanzmariechen Saskia Gebauer zeigte ihr Können.

Erster Vorsitzender und Allrounder Edi Harder hielt die traditionelle Stecher-Rede und damit einen der beiden politischen Beiträge des Abends. Bundespolitik, die bevorstehenden Wahlen ("Wenn die Grünen die Wahl gewinnen, müssen die Autofahrer sich wieder aufs Laufen besinnen"), aber auch kommunale Ereignisse nahm er mit überwiegend nachdenklich stimmenden Worten auf. Vandalismus und Isolation setzte er die Notwendigkeit der Integration von Fremden entgegen. Kritik gab´s für das jüngste milde Urteil aus Landau wegen sexuellen Missbrauchs, den neuen "Klo für die Camper". Das Nein des Gemeinderats zur SBK-Ansiedlung lobte Harder: "Rülzheim sollt kein zweites Germersheim sein." Die Junioren-Garde (Leitung Mario Krübel) bot anschließend mit einem Gardetanz wieder etwas fürs Auge.

Später gefielen sie mit einem weiteren Schautanz. Mechhilde Fischer und Norbert Schulte machten sich als "Butterbärwel und Eierschorsch" in der Markthalle das Leben schwer. Der Austausch übelster Schimpfworte gipfelte in Eierwürfen. Birgit Bodeano und Benni Götz begeisterten als keckes Junioren Tanzpaar (Trainerin Nicole Moos) zu schmissigen Weisen. Ebenfalls politische Themen sprach die neunköpfige Gesangstruppe "Stecher-Krabbe" an. Ob Schwindhammer Avenue, Luxus-Klo auf dem Campingplatz, der neue Kreisel (Kommentar eines Berger Elferrats: Verkehrsbehinderungskreisel), die 1225-Jahr-Feier alles wurde musikalisch und witzig bearbeitet. Günter DudenhöferAls "ländlicher Bauherr avancierte Günter Dudenhöffer (bemerke: im freier Rede und konstant eine Bierflasche in Kopfhöhe haltend) zum Publikumsliebling. Die Dinge tatsächlich wörtlich zu nehmen, brachte ihm viele Lacher ein ("Da hat mir eine Polsterfirma geschrieben: Mit unserer Bank liegen Sie richtig").

40 lange Beine der Stecher-Garde boten einen imposanten Anblick. Das Aushängeschild der KGR wird ebenfalls von Nicole Moos trainiert. Wenig später zeigten sich die Mädels als Samba-Tänzerinnen in knappen Kostümen. Mit einer heißen Show beherrschte das Musiktheater mit einem Talentwettbewerb erstmals das närrische Geschehen. Fast 50 Personen, überwiegend Jugendliche, boten als Broadway-Singers eine beeindruckende Kulisse, als KGR-Beitrag, ausbaufähig. Das Frauenballett (Trainerin Jutta Seelinger) führte mit Can-Can und Cabaret-Girls zum Motto der Kampagne.

Nicht halten konnten das gute Niveau des Abends in der Bütt Ursula Wolff und Sonja Stein als "Großer Bruder und kleine Schwester" sowie Thomas Kupper und Stefan Seelinger als "FridoIin und Waldemaru. Was Frauen an nackten Männerbeinen so aufreizend finden, wird sich manchem nie erschließen. Beim Männerballett (Betreuung Nicole Moos) kamen auch in der "Dampfnudel" die Frauen auf ihre Kosten, bevor das Finale alle Aktiven auf der Bühne vereinte. Die Roten Husaren unter Leitung von Hendrik Frank mit Sänger Karl Nuber hatten wesentlichen Anteil an der schwungvollen und ausgelassenen Stimmung des Abends