Völlig gewaltlos vollzog sich die Übernahme der „Regierungsgewalt" im närrischen Rülzheim durch seine Tollität Prinz Gerhard II. aus dem Stamm derer von Holzburg zu Schützenhausen und Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Christel II. aus dem Geschlecht deren von Taberna Rhenana. Sie wurden im Rahmen des Krönungsballes der Karnevalgesellschaft Rot-Weiß Rülzheim „Die Stecher" (KGR) im nicht ganz gefüllten Rülzheimer Freizeithaus in-thronisiert, wo sie von Bürgermeister Helmut Braun für 22 Tage die Amtsgeschäfte im Verbandsgemeinde- und Ortsbereich Rülzheim übernahmen.

 

Auch in diesem Jahr hatte es die KGR wiederum verstanden, die Namen um das neue Prinzenpaar nicht nur geheim zu halten und erst beim Krönungsball zu lüften, sondern auch irreführende Gerüchte in die Welt zu setzen. Nach dem Einmarsch der Elferräte, des alten Prinzenpaares Norbert I und Gisela II sowie der kleinen Prinzengarde und Abordnungen der Karnevalvereine Berg und Wörth erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. KGR-Sitzungspräsident Willi Kupper, Träger des Goldenen Löwen, bezeichnete diesen Augenblick als eine wichtige Stunde Begleitet von der großen Prinzengarde zogen Prinz Gerhard II. und Prinzessin Christel II. (im Alltag als Gerhard und Christel Wüst bekannt) ins farbenprächtig dekorierte Freizeithaus ein, um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen.

Nachdem der aus dem Amt scheidende Prinz Norbert I. seine Ordenskette weitergegeben hatte, blieb auch Bürgermeister Braun keine andere Wahl, als den Schlüssel zu übergeben. Das Dorfoberhaupt erwies seinen närrischen Nachfolgern seine besondere Referenz und lobte die Atmosphäre, die nun, nachdem der Karneval wieder Einzug gehalten habe, zu spüren sei. Der Schlüssel für die Amtsgeschäfte sei ein besonderer, da er ein Schlüssel zu echter Menschlichkeit sei, mit dem der Lebensschrank geöffnet werden könne. Nachdem auch die „Minister" der Karnevalgesellschaft Rot-Weiß ihren neuen „Herrschern" ihre Referenz erwiesen sowie die Hausorden in Empfang genommen und die große Garde einen schwungvollen Tanz zu Ehren des neuen Prinzenpaares „aufs Parkett" gelegt hatte, fiel die Hauptaufgabe beim Krönungsball wieder den „Schwarzen Rhythmikern" aus Kaiserslautern zu, die mit ihrer Musik viel Schwung und Stimmung ins närrische Rund brachten.


 

 

 

 

 

 

 

 


 

Das Geheimnis um das Rülzheimer Prinzenpaar bis zur letzten Minute gewahrt.

Vor einigen Jahren war es passiert, dass man das Prinzenpaar erst in letzter Stunde nennen konnte, und damals war es dann zur Tradition geworden, das Prinzenpaar erst beim Krönungsball der Öffentlichkeit zu präsentieren. Da dieser Brauch sich auf das Milieu des Krönungsballs sehr vorteilhaft auswirkte, hat man sich von Jahr zu Jahr mehr Mühe gegeben, das Rätselraten um die kommenden Tollitäten zu verstärken.

Auch in diesem Jahre war wieder das gewohnte Bild im weiten Rund der "Dampfnudel", deren aufwendige Dekoration das Staunen aller Besucher hervorrief. Die Farbenpracht der Halle selbst wetteiferte mit den bunten Roben der weiblichen Besucher, und den grellfarbenen Uniformen der Karnevalisten.

Die kleine Prinzengarde tanzte zu Ehren des von Sitzungspräsident Willi Kupper verabschiedeten alten Prinzenpaares, und die Erwartung wurde durch einige tolle Einlagen der Kapelle angeschürt. Dann erst war der Höhepunkt des Abends gekommen: Unter den Klangen des Narrhalla- Marsches geleitete die große Prinzengarde das neue Herrscherpaar in das Rund des Freizeithauses, wo ein stürmischer Jubel die Begrüßungszermonien einleitete Er ist dem Geschlecht der Holzburger von Schützen hausen entsprungen, und hat seine Regentschaft als Gerhardt II. angetreten, während ihre Lieblichkeit Christel II. ein Spross aus dem nahgelegenen Taberna Rhenania Ist. Im bürgerlichen Leben, außerhalb der Narretei, handelt es sich um Schreinlermeister Gerhardt Wüst und seine Gemahlin, für die nun die große Prinzengarde einen von Karin Franck eingeübten Gardetanz aufs Parkett legte. Der auch beim Ehrentanz anhakende, stürmische Applaus, bewies, dass die Wahl des Prinzenpaares die Zustimmung aller Anwesenden gefunden hat, weil das junge Ehepaar dem Rülzheimer Bürgertum angehört, und sich auch außerhalb des Karnevals, dem Vereinsleben der Gemeinde verpflichtet fühlt.

Bei der Schlüsselübergabe bewies Bürgermeister Braun seine karnevalistische Routine, Indem er diese Zeremonie nicht mit dröhnenden Worten, sondern mit einem sinnigen Gedicht durchführte. Er ließ dabei erkennen, dass er den Karneval nicht als blose Narretei, sondern als Bestandteil Überlieferten Kulturgutes betrachte, und fordert" das Prinzenpaar auf, Ihr Amt auch in diesem Sinne zu betrachten, und auszuüben. Der I. Vorsitzende der K.G.R. "Die Stecher", Karl Heinz Pfeifer, konnte die Abordnungen aus Wörth und Berg begrüßen, die auch in diesem Jahre wieder mit Ihren Prinzenpaaren erschienen waren, um dem neugekürten Paar aus Rülzheim Ihre Referenz zu erweisen.

Unter den Gästen waren sehr viele auswärtige Besucher, ein Beweis dafür, dass der Gönnerkreis der Rülzheimer Karnevalisten weit über die Ortsgrenzen unseres Dorfes hinausgeht, was zu einem großen Teil auf die Veranstaltungsstätte "Die Dampfnudel" zurückzuführen ist. Der weitere Verlauf des Abends wurde in allererster Linie bestimmt von der toll aufspielenden Kapelle. Die "schwarzen Rhythmiker "aus Kaiserslautern hatten sich schon mit den ersten Klängen in die Herzen der Besucher gespielt, und je weiter der Abend fortschritt, desto mehr gerieten die Anwesenden in den Bann der Melodien. Besonders die toll gewählten Potpourris waren ein wahrer Ohr schmaus, auch für alle Nichttänzer, ein von einer Profitruppe dargebotener Reigen bunter Melodien, die alle Besucher zu der Feststellung kommen ließ, dass dies die beste Musikkapelle war, die jemals in Rülzheim zum Tanz aufspielte.

Der einzige Wermutstropfen dieser Veranstaltung war die Tatsache, dass der Besuch etwas hinter den vergangenen Jahren zurückblieb. Die Kürze der Saison, und die schnelle Folge der Veranstaltungen, darf hier als hemmender Faktor nicht übersehen werden.