Was soll man besonders herausstellen von der Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß" Rülzheim im „Victoria-Palast"? Das blickfangende farbenprächtige Bühnenbild, die ausgezeichneten „Bütten", die Tatsache, daß das ganze Programm von einheimischen Kräften getragen wurde oder die geradezu „määnzreifen" Hofsänger? Es fällt schwer, und so schwer — oder leicht — hatte es auch Elferratspräsident Willi Kupper, der souverän die Sitzung leitete, alle diese blitzenden Lichter zu werten und zu würdigen.

 

Bereits Bombenstimmung bei dem Einzug des närrischen Ministeriums, lustige Begrüßung durch den Vorstand Bernhard Hellmann, Ansprache des Sitzungspräsidenten Kupper und dann zweiter Höhepunkt, Einzug des Prinzenpaares Karlheinz I. und Christel I. Dann stehen bereits vielumjubelt die Hofsänger auf der Bühne und Alois Tohann erntet mit seinen Eulen- piegeleien großen Beifall. „Der Bu aus de neinte Klass'" war Eugen Hamburger und die Rekorde" untersuchte Konrad Schwab; „sei erschti Raas" unternahm Willi Narozny und ein vielgeplagter „Fernsehgucker" war Hans Kaufmann.

Natürlich fehlten die Bänkelsänger (Jochim-Johann) nicht und nach der Pause wurden die verdienten närrischen Mitglieder Robert Jantzer, Karl Schüssler und August Frank geehrt. Den unverfälschten „deutschen Michel" stellte Eugen Seither in die Bütt und Schabol und Hanjörg (Fischer/ Kuntz) glossierten das Dorfgeschehen. Den „Winterschlußverkauf" nahm Konrad Schwab unter die Lupe und die Bilanz eines Büttenredners zog der „Berufsphilosoph" (Berni Johann).

„Der Luftschutzwart" (Marcel Schuschu) unterzog die Unwahrheiten der Regierungsbroschüre „Jeder hat eine Chance" einer herben Kritik und dann wieder die wirklich ausgezeichneten Hofsänger mit ihren politischen Glossen unter Chorleiter Erwin Hartenstein und ihrem Texter Alois Johann. Übrigens: Alois Johann erhielt für seine großen Verdienste den Wanderorden „Wider den tierischen Ernst".


 

Zur ersten Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß" war ein volles Haus versammelt. Zum Auftakt spielte die Musikkapelle Rülzheim unter der Leitung von August Franck. Schon beim Einzug des närrischen Ministeriums herrschte Hochstimmung. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Heilmann und der Ansprache des Sitzungspräsidenten Kupper wurde das Prnzenpaar dem Elferrat vorgestellt und der erste Ordenssegen regnete herab.

Der Sitzungspräsidenf leitete dann in gewohnter Weise das viereinhalb Stunden dauernde Programm ein. Den ersten großen Beifall gab es beim Auftritt der „Klirigbach-Lerchen" unter Leitung von Erwin Harten-tein. Alois Johann als Till Eulenspiege! eleuchtete die große Politik mit ihren Spiegjel-Erscheinungen. Er erntete viel Applaus. Der Bub aus der neunten Klasse, E. Hamburger, wusste viel Witziges und Spritziges zu erzählen.

Die beiden Büttenreden von Conny Schwab über Rekorde und Winter-Schlussverkauf schlugen „bombensicher" ein. Hans Kaufmann bekam für seinen geplagten Fernsehgucker die erste Rakete des Abends. Wie schon im letzten Jahr waren auch diesmal wieder die Bänkelsänger Johann und Jochim in ihrer humoristisch lustigen Aufmachung eine sehr zugkräftige Nummer. Ihre gesungene Mondfahrt wurde immer wieder von Lachstürmen unterbrochen. Auch für sie gab es natürlich, wie könnte es bei Mondfahrern anders sein, eine Rakete.

Nun wurden vom Sitzungspräsidenten hochverdiente Karnevalisten mit dem Hausorden ausgezeichnet. Es waren Karl Schüßler, Robert Jantzer und August Franck. Willi Narowzoy brachte seine erste Rede gut über die Bühne. Eugen Seither als deutscher Michel hatte mit seinem tanzenden Hampelmann schnell alle Zuhörer auf seiner Seite. Schabol und Hanjörg — Fischer/ Kuntz — in ihrer Verkleidung als Angler zogen manchen fetten Brocken aus dem dörflichen See.

Dann stieg Berni Johann in die Bütt und gab einen Rückblick auf seine bisherige Laufbahn. Der Neurülzheimer Marcel Schuschu als Luftschutzhelfer zündete ein wahres Trommelfeuer von Witz und Humor. Er behandelte die Broschüre „Auch Du hast eine Chance". Weiter erfreuten die Hofsänger mit ihrem prächtigen politischen Liederpotpourri. Schon in ihren Bajazzo- Kostümen boten sie ein schönes Bild auf der ohnehin farbenfreudig dekorierten Bühne.

Der Dank des närrisch gestimmten Publikums galt schließlich besonders dem musikalischen Leiter Erwin Hartenstein und dem Texter Alois Johann. Zum Abschluss der Sitzung, waren alle Aktiven zum großen Finale auf der Bühne versammelt. Nochmals I lief der Beifall auf Hochtouren, ehe man sich mit dem Lied „Auf Wiedersehen" verabschiedete. Die Proqrammfolqe war durch Schunkellieder und schmissige Weisen der Kapelle aufgelockert worden. Die Sitzung ging flott und ohne Pannen über die Bühne des Hotels „Viktoria". Auch die Prunksitzung am Samstag dürfte wieder ein volles Haus bringen.